Webdesign für Rechtsanwälte | Homepage Anwaltskanzlei. Kann das bitte auch mal spannend sein?

Webseite Rechtsanwaltskanzlei - was ist wichtig?

In diesem Beitrag geht es um das Thema “Webdesign für Rechtsanwälte” und ich stelle die provokante Frage ob das Thema “Homepage für eine Anwaltskanzlei” auch spannend und ästhetisch aufbereitet werden kann. und eine weitere Frage, die sich ja wie das Amen im Gebet an die erste Frage anschließt, wird auch besprochen: Was bedeutet die von mir geforderte Ästhetik der Webseite konkret für die Akquise der Kanzlei? Und zum Abschluss gibt es dann die Besprechung einer sehr spannenden Anwalts-Webseite aus den USA. “Stay tuned”, wie der Österreicher in mir sagt.

OK. Besprechen wir erst mal die (mutmaßliche), allgemeine Ausgangssituation für das Thema “Webseiten und Anwälte”: Rechtsanwälte sind vielbeschäftigt, Rechtsanwälte sind erfolgreich, Rechtsanwälte sind effizient. Rechtsanwälte denken extrem logisch und sind ziemlich erfolgsorientiert. Rechtsanwälte haben langweilige Webseiten.

Die spannende Frage lautet daher: Können supererfolgreiche Rechtsanwälte nicht auch superschöne und supertolle Webseiten haben? Oder andersrum: Muss Webdesign für Rechtsanwälte im Grunde immer langweilig aussehen?

Stimmt das so? Ich weiss nicht, ich bin kein Rechtsanwalt. Aber wenn wir darüber sprechen, welches “Image” Rechtsanwälte von sich selbst und von ihrem Beruf im Allgemeinen verbreiten, dann könnte die obige Liste schon recht gut funktionieren: Vielbeschäftigt, erfolgreich, effizient. Da bleibt im Grunde nicht so extrem viel Platz für Ästhetik. Und – sorry, aber die Wahrheit tut manchmal weh – dementsprechend sehen die Webseiten der meisten Kanzleien dann auch aus. Gut. Man mag gerne zugeben, dass ein erfolgreicher und effizienter Anwalt mit unattraktiver Webseite für seine Mandanten sicherlich besser ist, als ein schlechter Anwalt mit einer hervorragenden Webseite. OK. Aber das meinte ich eigentlich nicht. Die spannende Frage lautet ja: Können supererfolgreiche Rechtsanwälte nicht auch superschöne und supertolle Webseiten haben? Oder andersrum: Muss Webdesign für Rechtsanwälte denn eigentlich immer langweilig aussehen?

Gut, ich gebe mir die Antwort(en) gleich mal selbst: Ja, in der Theorie können auch Anwälte supertolle Webseiten haben und Webdesign für Rechtsanwälte muss nicht immer langweilig sein. In der Praxis können die meisten Anwälte das aber offensichtlich leider doch nicht und daher drängt sich für die zweite Frage logischer Weise folgende Antwort auf: Ja, Webdesign für Anwälte ist eine langweilige Sache. :(

Warum das wohl so ist? Keine Ahnung. Eigentlich steht es ja jedem frei sich eine tolle Webseite machen zu lassen, de facto sieht es aber leider anders aus. Da scheinen Rechtsanwälte meistens von ihren Grundgedanken “Erfolgreich Sein” und “Effizienzdenken”, eingeholt zu werden und versuchen möglichst viel an Informationen in ihre Seiten reinschreiben zu wollen. Das Ergebnis ist dann aber leider oft suboptimal.

Symbol: Homepage für AnwaltskanzleiIst das jetzt dramatisch, dass Rechtsanwälte auf ihren Webseiten sehr ins Detail gehen wollen? Nö, nicht unbedingt. Dramatisch vielleicht nicht, man ist es ja gewohnt. Aber ineffizient und sinnlos ist es halt. Sorry, auch das musste wieder sein. Ich erkläre es auch gleich: Auf den ersten Blick erscheint das ja durchaus verständlich, dass jemand möglichst viel Info in seine Seite reinpacken will. Die Kanzlei ist nun mal einfach stolz darauf, welche megageilen Anwälte hier arbeiten und die Klienten wollen halt nun mal wissen, wie viele Zusatzqualifikationen, Zusatzsemester in Harvard usw. usw. Anwalt XY denn nun mal so absolviert hat. Nur verständlich, dass die meisten Rechtsanwälte, deren Seiten ich besucht habe, versuchen so viel Information wie möglich in einem relativ begrenzten Rahmen unter zu bringen.

ABER: Welcher Rechtsanwalt hat denn schon jemals versucht die Geschworenen in einem Mordprozess mit reinen Fakten zu überzeugen? Welcher Anwalt streut nicht auch Dramatik und Leidenschaft in seine Pladoyes mit ein, welcher Anwalt überrumpelt seinen Gegner nicht hin und wieder auch mit (legalen) Tricks? Kurz: Welcher Rechtsanwalt arbeitet immer nur rein logisch? Interessant: Der Beruf der Anwalts – so sehr er auch auf Wissen und Intellekt aufbaut – schließt viele extrem emotionale Elemente mit ein. Eine Tatsache, die aber offenichtlich bei den Webseiten der meisten Kanzleien noch nicht angekommen ist. Auf den meisten Webseiten der Anwaltskanzleien wird häufig noch der “bieder-erfolgreiche” Anwalt mit seinem Bauchladen voller Informationen bemüht.

In meinen Augen funktioniert die Wahl eines Anwalts allerdings nach anderen Gesichtspunkten als nach denen der reinen Effizienz und maximalen Informationsdichte. Wie die meisten Sachen im Leben ist auch der Anwaltsberuf ein reichlich emotionales Gebiet und eine Anwaltswebseite sollte dem schon Rechnung tragen. Ein Beispiel für ein Design, das auf diese (emotionale) Art funktioniert und das mir in diesem Sinne auch sehr gut gefällt, möchte ich daher auch gleich anführen. Es handelt sich um die Webseite einer Anwältin (Rachel B Eeles) aus Santa Barbara im US-Bundesstaat Kalifornien, die das Thema “Homepage für einen Rechtsanwalt” grundsätzlich ganz anders angeht.

Wer die Seite der Kanzlei von Rachel B Eeles aufruft, wird sofort mit einem sehr schlichten, aber nicht minder interessanten Schriftzug konfrontiert: “We always put people first” steht auf der Startseite der Anwältin zu lesen. Umgeben ist der simple Satz mit sehr viel Fläche, dadurch wirkt er natürlich so richtig schön, wenn ihm kein anderer Text und kein anderes Bild den Raum streitig macht. Und wer noch etwas länger dort bleibt, der kann dann noch weitere Infos sehen: “We strive to make a difference” und “We give heart and soul”.

Wow! Das sind in meinen Augen genau die Infos, die jemand lesen will, wenn er (eventuell unter Druck) einen Anwalt sucht. Der potentielle Klient ist wahrscheinlich gestresst, denn Anwaltstermine sind ähnlich positiv besetzt wie Zahnarzttermine. Und dann liest er das da; “We always put people first.” Oder noch besser: “We give heart and soul.” Also wer jetzt – und gerade weil er sich im Stress befindet – nicht ein kleines Bisschen Erleichterung verspürt, der muss schon recht hartgesotten sein. ;) Aber das ist ja genau der Punkt: Die Anwältin hat auf ihrer Webseite bereits mit dem ersten Aufruf der Seite (potentiell) eine emotionale Nähe zu zukünftigen Klienten aufgebaut, indem sie diese Klienten genau dort emotional anspricht, wo es diese am meisten drückt. Der viele freie Platz (“Whitespace”) ist nicht reine Verschwendung von Monitorfläche, sondern macht diese drei Willkommenssätze erst richtig wichtig, denn die Sätze müssen mit keinen anderen Inhalten konkurrieren.

OK, und der Rest ist dann ein Spaziergang, denn die emotionale Nähe hat Rachel B Eeles bereits aufgebaut, der Besucher ist genau dort abgeholt, wo ihn die Anwältin vermutlich haben will. Daher kann der Rest auch recht kurz ausfallen: Die Anwältin Rachel B Eeles zählt ihre Arbeitsgebiete auf, es gibt ein schwarzweisses Foto von ihr und eines (ebenfalls schwarzweiss) vom Strand in Santa Barbara. Und einen Link um einen ersten (kostenfreien) Termin auszumachen. Wer nicht unter super Zeitdruck ist, und außerdem den einen, den speziellen, den einen speziellen Spezialisten sucht, der als einziger das kann, was sonst keiner kann, der wird wahrscheinlich den Gratistermin annehmen. Und ist der potentielle Klient erst mal im Büro, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die anwältin ihn zu einem Klienten machen kann. Jedenfalls ist die “Bounce-Rate” im Realen Leben deutlich geringer als auf einer Webseite, die Webseite erfüllt also – gerade durch das Understatement, dass sie durch ihr Design nun mal hat – genau ihren Zweck: Einen Termin mit der Anwältin zu vereinbaren damit die Anwältin im persönlichen Gespräch ausloten kann, ob es für beide Seiten Sinn macht, zusammen zu arbeiten.

Voila. Das war eigentlich schon alles, was ich zum Thema “Webseiten für Rechtsanwälte” sagen wollte: Eine Homepage für eine Anwaltskanzlei zu machen, kann superspannend sein. Vorausgesetzt die Kanzlei hat den Mut von den (üblichen) 0815-Ideen erst mal abzugehen und das Thema auch mehr emotional anzugehen.

Und nochwas: Was für Rechtsanwälte gilt, das gilt im Grunde für alle Berufe. Jedes Thema kann im Web ästhetisch optimal aufbereitet werden. Auch etwas (angeblich) sehr Trockenes so wie z. B. die Webseite einer Steuerberatungskanzlei. Man muss sich als Designer nur die Mühe machen, seine Themen auch etwas unkonventioneller anzugehen. Demnächst schreibe ich also über Steuerberatungskanzleien. Bin schon gespannt, was auf mich wartet. ;)

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