WordPress Premiumthemes – die Nachteile der eierlegenden Wollmilchsau

Photoshopvorlagen in Wordpress

So, jetzt ist es wieder mal passiert: Ich habe ein Premium-Theme für ein Kundenprojekt angepasst und wurde (wieder mal) mit den Problemen dieser Themes konfrontiert. “Ach alles kinderleicht zu bedienen” denken die Käufer der Premiumthemes. Dass es leider in den meisten Fällen nicht so einfach ist, lernen sie oft erst recht spät. Auch diesmal war es wieder so: Mein Kunde war sehr frustriert, als er mit der Realität “seines” Premiumthemes konfrontiert wurde. Aus gegebenem Anlass also eine Information über die Vorteile und Nachteile der Premiumthemes von WordPress. Leider schreibe ich aber mehr über die Nachteile, denn die überwiegen in meinen Augen.

Premiumthemes sind bei WordPress Themes, die man kaufen muss, die meistens sehr gut gestaltet sind und die eine Reihe von Einstellungsmöglichkeiten haben. Während man “normale” Themes, die nur wenige Möglichkeiten aufweisen, gratis aus dem Theme-Directory runterladen kann, geht das bei Premium Themes nicht so leicht. Premiumthemes erhält man nur bei ausgewählten Händlern wie z. B. Themeforest. Und dort muss man sie eben bezahlen. Für einen vergleichsweise geringen Betrag (meist um die 50 Euro) erhält man dann ein Theme, dass alles Mögliche kann. Doch dieser Vorteil ist meistens ein Nachteil.

Wie? Der Vorteil ist ein Nachteil? Wieso bitte? Warum sollen die vielen Einstellungsmöglichkeiten der Premiumthemesthemes eher Nachteile haben?

Wer ein Premiumtheme kauft, sieht meistens zunächst mal ein toll gestaltetes Beispiel auf einer Webseite, die das Theme anbietet. Wow, denkt man sich. Das will ich haben! Nur 45 Dollar? Unendliche Einstellungsmöglichkeiten? Keine Programmierkenntnisse erforderlich? Das ist meines! Man meldet sich dort also hoffnungsfroh an, zahlt, lädt das Theme runter und installiert es auf der eigenen Webseite. Und nach der Installation und Aktivierung kommt dann bereits häufig auch schon der erste Frust: Das Theme sieht gaaaaanz anders aus, als in der Vorlage.

Wer jetzt noch nicht aufgibt, (jetzt ist es zum Aufgeben ja noch viel zu früh) der landet dann meistens in der umfangreichen, englischen Dokumentation des Themes und versucht daraus schlau zu werden. Pua! Viel Spaß beim Lesen! Die meisten haben nach einer Stunde Hardcore-Webdesignerenglisch keine Lust mehr weiter zu machen. Verständlich. Denn die Doku ist nicht nur umfangreich, sondern eben auf englisch. Nicht im Alltagsenglisch, das jeder mehr oder weniger gut kann, sondern in einer Art Fachsprache für Webdesigner. Kunststück. Ohne Begriffe wie “Accordions, responsives Design, Slider, Lightbox zu nutzen, kann man keine Anleitung schreiben.

Also zurück zur Webseite. Mal probieren, was man machen kann… Meistens kann man sehr viel machen, mit so einem Premiumtheme, aber genau so, wie man es eben möchte, ist es nur in den seltensten Fällen. Dann kommen viele auf die Idee eine der (meist mitgelieferten) Konfigurationen zu benutzen. Wow, das was da rauskommt, sieht sicher toll aus. aber dort, wo es jetzt grün ist, hätte man das Detail vielleicht lieber in rot, dort wo es rot ist, lieber in grün. Der Slider ist super, aber der Effekt, der voreingestellt ist, ist nicht der den man will. Schöner wäre der andere, der in der anderen Konfiguration mit dabei ist. Wie tauscht man das jetzt aus? Zurück in die Doku, zurück ins Backend und herumprobieren, was das Zeug hält, ist die Devise. Vielleicht kann man auch den Support fragen… Der antwortet in der Regel auch schnell. Aber natürlich auf englisch und mit einem ziemlichen Wissensvorsprung….

Nach 40, 50, 60 oder auch mehr Stunden geben die meisten dann auf. Sie haben die Schnauze voll. Das was sie gedacht haben, ist nicht eingetroffen: Ein wunderschönes Theme, kinderleicht zu bedienen. Genau so, wie es in der Beschreibung eben steht. Und viele der Frustrierten landen dann bei mir, dem Webdesigner. Und die sind dann ganz verwundert, wenn ich für die Realisierung ihrer (meist nicht besonders ungewöhnlichen) Wünsche 20 oder 30 Stunden Arbeitszeit veranschlage. Ja, auch ich kenne nicht alle Themes dieser Welt und muss mich in die Doku einlesen. Und wenn bei einem Premiumtheme mal was manuell nachgebessert werden muss, dann ist es wirklich kompliziert. Oft leidet die Updatefähigkeit unter den Änderungen, der Code der Themes ist unglaublich komplex (klar, die Themes können ja auch quasi alles.) und ist nicht wirklich leicht zu ändern.

Ach ja der Code: Premiumthemes können fast alles. Ja, das ist richtig. Mehr oder weniger wenigstens. Das Problem dabei ist der Code, den sie nutzen. Damit ein Theme quasi alles kann, muss es einen ziemlich aufgeblähten Code bereitstellen. Die Editoren, die meistens mitgeliefert werden, sind Ressourcenfresser. Für die Ladezeit ist das nicht gerade vorteilhaft. Und weil wir gerade bei den Editoren sind: Wer ein Premiumtheme kauft und einen Editor oder andere Plugins mitgeliefert kriegt, hat nicht den selben Service wie jemand, der den Editor oder die Plugins selbst kauft und jedes Update sofort aufspielen kann. Er ist darauf angewiesen dass der Themehersteller das Theme updatet und mit dem Update eine aktuelle Version der Third-Party Products mitschickt. Falls es mal ein Sicherheitsproblem beim einem der mitgelieferten Teile gibt, muss man eventuell einige Zeit warten, bis das Update kommt.

Und noch was: Premiumthemes sind kinderleicht zu bedienen, wenn sie erst mal fertig eingerichtet sind. Na ja, stimmt so nicht ganz. Ja, sie haben viele Editierfunktionen, die es Laien ermöglichen Inhalte schnell und effizient zu ändern. Aber eben nicht alle Inhalte.

Fazit: WordPress Premiumthemes haben also eine Reihe von Nachteilen, die leider meistens unerwähnt bleiben. Wer trotzdem solche Themes nutzen möchte, und sich weder tief in das Theme einarbeiten möchte, noch unendlich viel Zeit hat, sollte daher einkalkulieren, dass Zusatzkosten entstehen können. In dem Fall wird er nähmlich professionelle Hilfe vom Webdesigner seiner Wahl benötigen. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Individuelle Themeanpassungen sind aufwändig und somit teuer, wenn sie korrekt gemacht werden.
  • Es kann günstiger sein, ein Theme von Hand zu coden als ein Premium-Theme langwierig anzupassen. Fragen Sie nach beiden Möglichkeiten.
  • Egal ob Sie ein Theme anpassen lassen oder manuell coden lassen: Als Laie werden Sie nur eine beschränkte Zahl von Dingen an der Webseite selbst ändern können. Das könnte z. B. Folgendes sein: Artikel anlegen, Texte ändern, Bilder einstellen, Videos einstellen. Lassen Sie sich für diese Dinge eine detaillierte Anleitung von Ihrem Designer oder Programmierer geben. Alles andere überlassen Sie ihm. Oder ihr, wenn es eine Programmiererin ist. Aber Sie – ja, genau Sie, die jetzt diesen Text lesen: Sie sollten ausser den vereinbarten Dingen nichts machen. Auch wenn angeblich jeder ein Premiumtheme ändern kann…

    Haben auch Sie Erfahrungen mit Premiumthemes und angeblich “kinderleichter” Software? Fall ja, freue ich mich über Ihren Kommentar im Feld weiter unten!

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