Warum? (Sonne, Mond und Sterne)

Warum gibt es eigentlich so viel schlechtes Design? Warum müssen wir eigentlich Googles Tanz um den Algo mittanzen und warum müssen wir eigentlich Zuckerbergs idiotische Ideen der Schönen Neuen Welt ertragen? Warum? Warum muss das Mittelmaß erfolgreich sein? Lauter legitime Fragen, auf die auch ich leider keine Antwort weiss. Leider. Wir könnten es so schön haben im Web. Sonne, Mond und Sterne lägen uns zu Füssen. Eigentlich. Wären da nicht andere Interessen im Vordergrund. Und: Wären wir nicht alle so unerträglich mittelmäßig und machen bei dem Ausverkauf unserer Welt auch noch freiwillig mit. Warum das alles?

Warum nur? Warum, das ist die Kernfrage. Warum müssen alle Webseiten gleich aussehen? Oben der Header, unten der Footer und dazwischen der suchmaschinenoptimierte Content zum Einschlafen. Digitale Betäubungsmittel für unmotivierte Zeitgenossen. Warum müssen wir uns alle im Gesichtsbuch und den anderen Unsozialen Medien belustigen und warum müssen wir dem vertrottelten Algo Googles hinterherhecheln, wie Süchtige auf der Suche nach dem ultimativen Stoff, der uns endlich erlöst? Warum, warum, warum? Warum muss das Mittelmaß regieren?

Zuerst war das web mal frei. Zugegeben. Es sah beschissen aus, aber es war frei. Man konnte sich mühsam von Verzeichnis zu Verzeichnis weiterhanteln, musste Unmengen von Zeit für die Suche aufbringen, aber es war frei. Dann gab Google den Takt an. Irgendwann im neuen Jahrtausend hatten Larry Page und Sergey Brin die großartige Idee die Websuche auf den Kopf zu stellen. Google war geboren. Google versprach das endlose Rumwühlen in Verzeichnissen und Katalogen zu beenden und uns endlich (!) in eine bessere Zukunft zu führen. Eine Zukunft in der die besten Ergebnisse von der Suchmaschine ganz oben gelistet würden.

Natürlich ist diese Vorgabe niemals eingetroffen. Es wurden nie die besten Suchergebnisse oben gereiht, sondern die, die am strohmlinienförmigsten dem langweiligsten aller Mittelmaße entsprachen. Und zwar genau so: Die Überschrift in <h1>, dann der Text mit einer bestimmten Keyworddichte, Wortanzahl und Satzstruktur, dann die Zwischenüberschriften in <h2> und <h3> und mittendrinn die Bildchen, die allesamt natürlich zum Kontext des Inhalts passen sollten. Ein Konzept, dass per Definition das Konzentrat der langweiligsten Seiten an vorderste Stelle der Ergebnisse bringen musste.

Dann kam Zuckerberg, der Mann, der nach eigenen Angaben die Welt retten will. Zuckerberg ist so naiv wie unverfroren wie egomanisch. Die Welt soll von ihm gerettet werden, die Welt, die er ja zu einem guten Teil mitversaut hat. Der Like-Button als neuronales Heroin für Milliarden von Usern, der Facebook-Algo der zwar jeden Nippel zensuriert aber andererseits Extremisten und Wahnsinnigen aller Coleur die optimale Darstellung garantiert.

Filterblasen, Mittelmaß und Dummheit. Die neue, heilige Dreifaltigkeit des Web 2.0. Und wir alle tanzen mit. Keiner wird gezwungen Gesichtsbuch zu verwenden. Keiner wird gezwungen sich die Daten von Google absaugen zu lassen. Keiner wird gezwungen ein Smartphone zu nutzen und sich bis zum letzten Bit und Byte nackt zu machen vor dem Silicon Valley. Nein. Das muss man ihnen zugestehen. Weder Page noch Zuckerberg noch sonstwer ist schuld daran. Auch die Dealer verkaufen nur den Stoff. Den Rest machen wir schon selbst.

Wir könnten es so schön haben auf dieser Welt. Sonne, Mond und Sterne lägen zu undseren Füssen. Eigentlich. Nie waren wir reicher, nie hatten wir mehr Möglichkeiten. Aber nein. Wir wollen das alles nicht. Für einen Tineff verkaufen wir uns, unsere Daten und unsere Zukunft an Idioten, die die Welt retten wollen. Schöne Neue Welt.

Ach ja. Die Eingangsfrage lautete: Warum gibt es so viel schlechtes Design? Die habe ich noch nicht beantwortet. Es wird wohl das Mittelmaß sein, das Schuld daran hat. Es ist bequemer zu träumen, die Träume des Silikon Valley wieder zu käuen als sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Fuck! Es wird ernsthaft im Web diskutiert, ob irgendwann mal intelligente Maschinen Webdesigner ersetzen werden können. Sagt mal, wie bescheuert sind wir eigentlich? Warum tanzen wir diesen Tanz des Mittelmaßes mit? Könnte eine Maschine jemals Leonardo Da Vinci ersetzen? Oder Mozart? Ja, Webdesigner können ersetzt werden, wenn sie weiterhin das tun, was sie tun: mittelmäßige, stromliniengeformte Designs entwerfen. Selbst schuld!

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