„Google Sidewalk Labs“

Leider ist es wieder ein Mal Google, die Suchmaschine Nr. 1, die für eine „bessere Welt“ sorgt und in Wirklichkeit nichts anderes möchte als unsere Daten im großen Stil ab zu saugen. Diesmal gehts um ein neues Experiment, mit dem schönen Namen „Google Sidewalk Labs“. Sidewalk Labs? Was ist das? Erstmals die offizielle Version: Es geht – so Google – um Stadtökologie, verbesserte Nutzung der Grossstadtressourcen und der Verbesserung der Lebensqualität in unseren Städten. Google möchte mit den Sidewalk Labs die Effizienz mehrerer Dienste erhöhen und sie zu einem neuen Paket bündeln. Selbstfahrende Autos, Car-Sharing, Stellplätze, Shops… alles in einem Tool integriert, für jeden leicht zugänglich und ohne viel Aufwand zu nutzen.

Die gesamte Infrastruktur einer Großstadt würde dadurch in einem Angebot zusammengefasst und wäre natürlich deutlich effizienter zu Nutzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ressourcen würden sparsamer eingesetzt werden, die Lebensqualität würde steigen. Klingt toll. ?

Aber damit all dies auch wirklich funktioniert, müssen alle Bausteine untereinander fleissig kommunizieren und es werden Daten sowie Algorithmen benötigt. Wer die liefert? Google natürlich. Aber vor der Lieferung müssen sie natürlich erst mal erfasst werden. Und genau hier ist auch das Problem.

Jede, jeder und alles würde seinen Teil zum Gelingen des Experiments beitragen: Die selbstfahrenden Autos, die Smartphones, die wir mit uns rumtragen, die Geschäfte, die am Sidewalk stationiert sind… Einfach alles. Ein Alptraum für Datenschützer. .

Ein Alptraum? Ja, klar doch. Das Prinzip ist immer das selbe: Es geht um Daten im großen Stil und um Macht über die Daten. NICHT um die Verbesserung der Lebensbedingungen. Wenn wir grüne Städte wollten, können wir sie wirklich sehr leicht haben. Sämtliche Technologien stehen bereit.

Aber nein, wir versumpfen im Zombie-Mode, wackeln vom Einkaufszentrum zum Multiplexkino und danach in eine der stumpfen Hamburgerbratereien. Kaufen hirnrissige Mode, sehen vertrottelte Filme und fressen totes Futter. Wir leben nicht, sondern schlafen scheintot vor uns hin und wenn dann ein Hightech-Konzern kommt, der uns weiter dahindämmern lassen möchte, weil wir in unserer geistigen Umnachtung ja die besten Opfer sind, dann… Ja dann werden die Städte auf ein Mal grün…

Grüne Städte oder Ökoexperimente gibts auch ohne Google Sidewalk Labs. Hier ein paar Beispiele, die mir aus dem Stegreif einfallen:

  • Essbare Städte: Andernach war die erste Stadt, die im großen Stil öffentliche Flächen umgewidmet hat. Weg von den dekorativen Blumenbeeten, hin zu essbaren Bepflanzungen, lautet das Motto in Kurzform. Das Beispiel Andernachs macht seither Schule, denn die Vorteile sind für die Kommunen offensichtlich. Förderung der Kulturpflanzenvielfalt und Diversität, Schaffung neuer Lebensräume und multifunktionaler Grünflächen, Stadtklimatische Aufwertung, Ökonomische Vorteile durch günstige Bepflanzung, Bürgerbeteiligung durch Begrünungsmaßnahmen… Was will man mehr?
    Link: Andernach, die essbare Stadt
  • Urban Farming: Über 90% der waagrechten Flächen einer Großstadt sind versiegelte Zonen. Graue Flächen soweit das Auge reicht. Dabei könnte man diese Betonbrachen auch zum Anbau von Gemüse nutzen. Wie beim Beispiel von Andernach würde man nicht nur Ressourcen sparen und das Mikroklima ändern sondern auch die Kommunikation zwischen den Stadtbewohnern aktivieren. Und würde man auf neueste Technologien setzen, könnte man sogar senkrechte Flächen bebauen.
    Link: verticalfarm.com
  • Fahrradfahren und Auto teilen: Fahrradfahren und Auto teilen kann man auch ohne Hochtechnologie. Und dass die meisten europäischen Städte hervorragend ausgebaute öffentliche Verkehrsnetze haben ist auch kein Geheimnis. Überhaupt: Weil wir schon vom Teilen reden: Commons sind eien echte Alternative! ?
    Link: commonistische-lebensstile
  • Das Sustainable Cities Collective: Seit wenigen Jahren lebt die Mehrzahl aller Menschen in Großstädten, Megacities wie Rio de Janeiro, Kairo, Tokyo, Mexico City scheinen ohne Ende zu wachsen. Logisch, dass sich Unmengen von interessanten Projekten weltweit mit der Lösung der dadurch entstehenden Probleme beschäftigen. Das Sustainable Collective ist eine Webplattform auf der diese Ideen ausgetauscht werden können. Es gibt aber noch viel mehr Projekte dieser Art.
    Link: sustainablecitiescollective
  • Anders wohnen: Die ideale Lebensform für Konzerne wie Google sind Großstadtsingles. Wer alleine in einer Großstadt lebt, benötigt alles für sich selbst. Wohnung, Auto, Waschmaschine, Fernseher, Klimaanlage, Staubsauger… Einfach alles. Wer auf andere Lebensformen setzt, kann deutlich sparen, schont die Umwelt, verbraucht weniger Ressourcen und lebt kommunikativer. Egal ob Wohngemeinschaft, Hausprojekt, Mehrgenerationenhaus… Jede dieser Lebensformen bietet das selbe Potential wie Googles Vision, ist aber deutlich einfacher in der Umsetzung.
    Link: commonistische-lebensstile
  • Hartz-IV-Designermöbel: Der aus Laos stammende Berliner Designer Le Van Bo entwirft Designermöbel für wenig Geld. Sein Konzept: Auch die Empfänger von Sozialhilfe haben das Recht auf anspruchsvolles Design. Daher hat er ressourcenschonende, billige und wunderschöne Möbel entworfen, die jeder selbst bauen kann. Er bietet auch Volkshochschulkurse an, bei denen man solche Möbel bauen kann, denn nicht jeder hat das nötige Werkzeug. Dann wird Möbelbauen auch noch kommunikationsfördernd.
    Link: hartzivmoebel.blogspot

Fazit: In nur 30 Minuten habe ich eine Reihe von wunderbaren Ideen und Konzepten aufgeschrieben, die – konsequent angewandt – unsere Großstädte ebenso grün und ressourcensparend machen wie Googles Sidewalk Labs. Allerdings ohne Daten zu saugen. Außerdem: Ich bin sicher, dass 30 Minuten Konzeptarbeit nicht wirklich das Thema zur Gänze ausgeschöpft haben.

Wer hat noch mehr Ideen um unsere Städte lebenswert zu machen? Ich freue mich über Beiträge als Kommentare!

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