Akquise ist ganz schön schwer und Webdesign ist Tomate ist Banane

Als selbständiger hochsensibler und introvertierter Webdesigner, liebe ich meine Arbeit. Ich liebe es im Code rumzustochern, ich liebe es mit Farben und Formen zu spielen, und ich liebe es wirklich tolle Arbeit abzuliefern. Kurz: Ich liebe meinen Job wirklich sehr.

Was ich aber gar nicht liebe, das sind Dinge, die zum Alltag des Selbständig Seins nun Mal dazu gehören wie das Amen zum Gebet. Die unvermeidliche Steuererklärung zum Beispiel. 😉 Oder die Akquise. Ja gerade die Akquise ist mir ein Dorn im Auge. Und ich denke, ich bin damit nicht ganz alleine. HSP, Introvertierte und die Akquise. Dinge, die wohl nicht zusammenpassen. Oder doch? Mal sehen…

OK, beginnen wir mit den Grundlagen. Meine Welt, das sind – wie erwähnt – die Farben, die Formen und der Code. Damit aus Code aber Miete, Essen oder eine Hose werden, muss es einen bezahlten Auftrag geben, denn nur für das Rumspielen im Photoshop oder WordPress erhalte ich nichts im Supermarkt. Auch mein Vermieter benötigt nicht mehr als eine Webseite. ich muss also Kunden finden. Damit ich sie finde, gibt es die so genannte Akquise und schlaue Leute haben sich 1000 Möglichkeiten ausgedacht Akquise effizient durchzuführen.

Klingt gut, aber die Sache hat leider einen Haken: Die gängigen Akquisemethoden wurden weder für Introvertierte noch für Hochsensible entworfen. Akquise, so kann man überall nachlesen, das bedeutet Leute anzurufen um ihnen das eigenen Produkt aufzuschwatzen (Kaltakquise), das bedeutet in „Sozialen“ Netzwerken rumzuhängen und ohne Ende halbgare Weisheiten zu verbreiten (Facebookmarketing) oder… Ja, was ist oder? Was könnte oder sein? Wie könnte Akquise für Introvertierte und/ oder Hochsensible aussehen?

„Du musst deine eigene Marke werden“, ruft mir an dieser Stelle mein Freund der Coach im Vorbeilaufen zu! Mein Freund der Coach – dies muss vielleicht zunächst mal gesagt werden – ist gar nicht mein Freund. Er existiert auch nur in meinem Blog. Mein imaginärer Freund der Coach ist ein voll selbstoptimiertes Wesen. Er macht den ganzen Tag über Yoga, wenn er nicht gerade meditiert oder joggt. Ich habe keine Ahnung wovon er eigentlich lebt. Soviel zum besseren Verständnis “meines Freundes”.

„Eigene Marke“, toll, denk ich mir. „Wohl so wie der „Xing-Papst“, dessen Namen ich vorsorglich vergessen habe, der immer mit Anzug und Krawatte in den Xing-Farben rumläuft.“ So möchte ich gerne leben! Überall als Comicfigur verkleidet rumlaufen und auf klugen Mann machen, nur damit ein paar Euros zu mir kommen. Toll.“ “Hat der Xing-Papst auch einen grünen Pyjama an, wenn er schlafen geht?”, denkt der niederträchtige Teil in mir. Aber dann lasse ich das Pyjamathema wieder sein. Es ist einfach nichts für mich.

„Und ausserdem“, so schiebt mein Freund der Coach nach, „du musst ein unverwechselbares Profil entwerfen und dich in den „Sozialen“ Netzwerken richtig positionieren. Du bist deine Ich-AG!“

Aha, denke ich mir. Die lieben “Sozialen” Netzwerke! In die Tastatur hauen soll ich also ohne Ende. Fragen stellen, die schon 1000 mal gestellt wurden und sie mir selbst beantworten. Nur damit ich ein kleines Stückchen vom virtuellen Aufmerksamkeitskuchen abkriege. Ich weiss nicht…

Ich weiss es wirklich nicht. Ich kann mit dem Thema Akquise nichts anfangen. Ich bin hochsensibel, ich bin introvertiert. Ich bin (glaub ich) ein guter Webdesigner. Ich bin (glaub ich) auch ein guter Programmierer. Und gerade deshalb mag ich dieses Drumherum um meine Person und meine Arbeit nicht so gerne. Ich mache gute Arbeit, ich schreibe guten Code, ich mag da nicht drüber reden. „Und außerdem“, so antworte ich in meinem imaginären Gespräch mit meinem imaginärem Freund, „Und außerdem, ist das meiste, was man in der Webdesigner- oder Programmiererbranche so hört ohnehin Mist. Ich mag da nicht mittun. Der Markt ist versaut. Von 1&1, die dir Billighosting und Homepagebaukästen als „effiziente Lösungen“ aufschwatzen. Von Agenturen, die dir nicht vorhandene Leistungen verkaufen (Wir machen SEO für Sie, tolles SEO! 300 Euro und ihre Seite ist voll optimiert.“) Von „Webdesignern“, die nicht mehr machen als fertige WordPressthemes in rot, blau oder grün einzufärben und dich im Regen stehen lassen, wenn du ein wirkliches Problem hast. All das mache ich nicht. Ich kriege nur immer wieder mit, wie Menschen über den Tisch gezogen werden und es nicht mal merken. Ich mache gute Webseiten, das ist alles. Wozu muss ich darüber reden? Soll ich jeden Tag die Leute davon überzeugen, dass der Himmel blau ist oder dass Wasser nass ist? Das ist doch absurd.“

„Na dann tut es mir leid“, sagt mein Freund der Coach. „Dann kann ich auch nicht helfen.“

Toll. Wenn man solche Freunde hat, dann braucht man keine Feinde mehr.

Mein imaginäres Gespräch mit meinem imaginären Freund dem Coach war offensichtlich nicht wirklich erfolgreich. Ich weiss leider immer noch nicht, wie Akquise für Introvertierten und HSP eigentlich aussehen soll. Mein Markt ist voll. Mein Markt ist nicht nur voll, er ist vollgemüllt. Vollgemüllt von Vielquatschern und Flachdenkern. Den Kunden ist es egal. Die wissen nicht, was Qualität ist, die merken die fehlende Qualität erst, wenn Probleme auftreten. Und dann rufen Sie bei 1&1 an und hören der Märchenstunde des so genannten „Supports“ zu.

Webdesign ist wie Tomaten. Wie bitte? Webdesign ist Tomate? Ja klar! Die Leute kaufen im Supermarkt rote Dinger, die nennen sich Tomaten. Es sind aber keine Tomaten. Echte Tomaten haben einen Geschmack, der ist unvergleichlich. Paradeiser heissen sie daher in meiner Heimatstadt Wien auch. „Äpfel des Paradieses“. Wer würde eine Supermarktstomate heute als “Apfel des Paradieses” bezeichnen? Wohl niemand. Den Supermarktkäufern wurde ja von der so genannten „Nahrungsmittel“industrie der Geschmack genommen. Den Webdesignkunden wurde von den Massenhostern, von Facebook und von der permanenten, medialen Reizüberflutung der Verstand genommen. Deshalb ist Akquise wohl Tomate. Alles Banane hier.

Also. Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: Wie betreibt man als Introvertierter & HSP – also als notorischer Schweiger, Tiefdenker und Understater – jetzt wirklich Akquise für ein „ganz normales Produkt, wenn die Kunden den Unterschied nicht benennen können?“ Gute Beratung, gute Umsetzung, Mitdenken und Termintreue sind ganz normal. Das sagt jeder. Strato sagt das, 1&1 sagt das, der Student, der auch Webseiten macht, sagt das, Die Agentur sagt das sowieso. Die Agentur… Wenn ich das schon höre. Dicke Hose, nichts drinnen. Uuuuuaaaahhhhh! Als Verkaufsargument fällt Qualität also schlicht und einfach aus. Wobei Schweiger wie ich ohnehin nicht verkaufen können. Qualität hin oder her.

Fazit: Ein Webbaukasten ist doch die beste Lösung, 1und1 löst alles und ich bin ein Problem los. Ich melde mich dann wohl arbeitslos… Oder ich überlege mir doch noch was zur Akquise für Hochsensible und Intros. Mal sehen. Im zweiten Teil der Geschichte steht mehr! Vielleicht ist Akquise ja schön, aber nicht schwer? Wir werden sehen…

Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.