SEO – Suchmaschinenoptimierung – für Dummies

SEO für Dummies

Vor einiger Zeit ist mir ein ziemlich großer Kunde – eine Berliner Agentur – abhanden gekommen. Die meisten Projekte würden jetzt Inhouse erledigt, meinte der Chef. Na ja, OK, iss jetzt nicht das Drama schlechthin, aber mittelfristig muss Ersatz her. Soviel war mir klar Ich habe einige Zeit überlegt, wie ich das tun soll, der Beruf des Webdesigners ist ja nicht gerade unterrepräsentiert und daher ist die Arbeitssituation nicht GANZ leicht. Außerdem vermarkte ich mich nicht gerne. Das Zauberwort meiner Antivermarktungstendenz heißt Introversion und Introversion ist im Marketing relativ ungünstig. Eventuell könnte SEO eine Alternative bieten, war mein Gedanke. SEO? Dieses “Stochern im Nebel” mit elendslangen Exeltabellen, Keyword-optimierten Texten, aufgeblasenen Linkkaufbudgets und superviel sauteurer Technik? ‘Ich weiß nicht. “SEO für Dummies” vielleicht, aber nicht SEO im eigentlichen Sinne, könnte es sein. Aus dem Gedanken ““Suchmaschinenoptimierung für Dummies” ist ein ziemlicher Aktivitätsschub hervorgegangen. In diesem Artikel steht, wie alles begann und wie meine SEO Strategie ” genau aussieht.

Die Vorgeschichte

SEO habe ich vor ein paar Jahren bereits recht intensiv betrieben, und auch einige Leute in gute Positionen in den SERPs gebracht. Meine Exfrau lebt noch heute davon. ;) Aber das ist Jahre her und im schnelllebigen Internet ist das Wissen von damals relativ irrelevant. Mehr als eine Basis für neue Versuche kann es nicht sein.

Was mich an der Suchmaschinenoptimierung bis jetzt abschreckte

Was mich am SEO immer abgeschreckt hat, und warum ich letztendlich nie ein Suchmaschinenoptimierungs-Guru geworden bin, das ist der technische Aspekt, die vielen Tabellen, die oftmals sinnfreien, aber keywordoptimierten Texte und das Gerangel um die wenigen Links, die im deutschsprachigen Raum freiwillig gesetzt werden. (Dazu später noch mehr). um es kurz zu machen: Für ein dermaßen umkämpftes Keyword wie “Webdesigner in Berlin” oder etwas Vergleichbares, erschien mir der Aufwand zu hoch.

Meine SEO für Dummies Strategie

Nach einer Recherche über die besten Werbemöglichkeiten und einer Analyse von interessanten Blogs in meinem Segment, habe ich dann aber doch beschlossen, SEO zur Akquise einzusetzen. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Wenn schon SEO, dann soll es “mein” SEO sein. SEO für Dummies und nicht SEO, wie es eine Agentur machen würde. Also ohne stundenlangem Brüten über Keywordlisten, sinnentleerten Blogkommentaren* und Riesenbudgets für Linkkauf.

Das Ziel: In sechs Monaten will ich regelmäßig Neukunden über das Web haben, die meinen ehemaligen Hauptkunden, die Agentur, zu 100% ersetzen. Ohne Stress, Ohne Tricks, ohne Zukauf von Leistungen oder Ressourcen. SEO mit Hausverstand also. Ich bin gespannt, ob es klappt. ;)

Hier die die Dos & Donts für mein SEO für Dummies Projekt im Detail:

  1. Ich werde in den nächsten sechs Monaten SEO betreiben. Und zwar ohne dem ganzen technischen Krimskrams, der angeblich zu SEO gehört.
  2. Ich werde keine “verbotenen” Mittel einsetzten, nicht spamen, nicht tricksen, keine Links kaufen oder mieten.
  3. Ich werde nicht nächtelang Listen vergleichen und versuchen sinnfreie Kommentare auf dubiosen Blogs (hauptsache mit einem Link drinnen!) zu veröffentlichen.
  4. Ich werde keine detaillierte Keyword-Recherchen mit Exeltabellen durchführen. (Warum nicht, das erkläre ich weiter unten.)
  5. Ich werde mit meinen SEO-Grundkenntnissen (die auch nicht ganz, ganz gering sind) und mit Hausverstand vorgehen.
  6. Ich werde nur Dinge tun, die mir Spass machen. Also nicht so, dass ich vor Lachen nicht zum Arbeiten komme. Aber ich werde sicher nicht die 300 wichtigsten Blogs, die ich nach SEO Kriterien auswähle, nach einem Artikelplatz anschreiben und dann in langen Tabellen über meine Korrespondenz mit den Webmastern Buch führen. Nein. Ich werde nur die Blogs und Webseiten auswählen, die mir inhaltlich zusagen, wer mit mir arbeiten will, wird es tun.
  7. Ich werde das Thema “do follow” und “no-follow” nicht ein Mal ignorieren.
  8. Und ich werde meine Erfahrungen samt Statistiken zur Webseite hier im Blog veröffentlichen

Ups, das ist ja mehr oder weniger genau das, was Matt Cutts von Google immer als SEO-Strategie empfiehlt. Na ja, nicht ganz. Ein paar technische Sachen ignoriere ich einfach, weil ich aufgrund meiner Erfahrung mit Kundenprojekten ohnehin weiss, dass 99% der Seitenbesitzer nicht mal von der Existenz dieser Sachen wissen. Und sie ranken trotzdem. Die Vorgaben von Google erschein mir dann doch phasenweise etwas weltfremd.

Die Hintergründe der Strategie “Suchmaschinenoptimierung für Dummies”

Links und die Schwierigkeit sie zu erhalten:
Links sind (nach wie vor) das A&O des SEO. Nur leider setzt sie im D/A/CH-Raum niemand wirklich gerne. Zumindest nicht, wenn man ein biederes Handwerk wie Schuster, Zahnarzt oder Webdesigner anbietet. Techblogs sind da etwas anders. Auch Linkbaits funktionieren in dem Segment der “biederen Webseiten” nicht wirklich. Wer verlinkt schon freiwillig auf die Webseite eines Schusters, Zahnarztes oder Webdesiners?

Aber das ist nicht die einzige Schwierigkeit beim Aufbau von Links. Hier ein paar nette Geschichten, die illustrieren, dass Links im deutschsprachigen Raum wohl eher als Teufeslzeug angesehen werden.

Links sind gefährlich: Als ich ein Mal in einem Blogkommentar einen Link setzte, um meine Überlegung besser erklären zu können (nicht als Werbung zu meiner Seite, zur Seite eines Unbekannten!), hat die Blogbesitzerin den Link wieder rausgenommen. Auf meine Anfrage, warum sie das getan hätte, meinte sie, sie würde prinzipiell nicht verlinken, denn sie könne keine Verantwortung dafür übernehmen, dass auf der verlinkten Seite nicht etwas illegales stünde. (Zur Info: Mein Link hat auf eine wissenschaftliche Studie verwiesen. ;) ) Der Link existiert also nicht. Egal. Ich wollte ja nur mal die Ausgangssituation schildern, mit der man es beim Linkaufbau zu tun hat. De facto ist das Setzen von Links im deutschen Sprachraum eine eher exotische und seltene Sache.

Blogkommentare machen Arbeit! *stöhn!*Ein anderes Beispiel, warum man es als SEO schwer hat, meine Kunden: Gefühlte 60% (!) wünschen sich bei der Gestaltung ihres Blogs, dass ich die Kommentarfunktion entferne. Das Moderieren der Kommentare mache ihnen zu viel Arbeit. Dabei ist die Möglichkeit zu kommentieren, für Blogs ca. so wichtig wie Reifen für ein Auto. Ohne Kommentare kein Blog – ohne Reifen kein Auto.

Das Web im Web: Facebook Heute sind ohnehin alle auf Facebook! (Was sie dort tun, verstehe ich nicht, aber Fakt ist es.) Ein Link aus Facebook interessiert mich aber deutlich weniger als ein Link von einem anderen Blog.

Gute Inhalte per Link honorieren? Oftmals eine Illusion! Ich hatte vor einigen Tagen einen Blogbetreiber angeschrieben, ob er einen Fachartikel von mir veröffentlichen würde. Der Artikel würde die Leser seines Blogs umfassend über ein bestimmtes Thema informieren und ihnen einen hohen Mehrwert auf der Basis meiner langjährigen Berufserfahrung bieten. Die Antwort war, dass das OK wäre, der Preis wäre 100 Euro, der Artikel würde als “Advertorial” gekennzeichnet, und der Link auf “Nofollow” gestellt werden, weil er nicht vom Blogbetreiber selbst wäre. Der Preis – so der gute Mann – wäre niedrig, weil der Blog noch neu wäre. Nachdem ich ein Linkanalysetool angeworfen hatte, stellte sich heraus, dass der Blog genau 0 (in Worten NULL) eingehende Links hatte. Das nenne ich Chuzpe! Einen Nofollowlink aus einem selbst geschriebenen, hochwertigen Fachartikel in einem Blog, der selbst noch keinen einzigen eingehenden Link hat, mit 100 Euro anzubieten…

SEO als hochtechnisiertes, sauteures Glaskugellesen

Pua, meine Anti-SEO Liste wird ja immer länger. Na ja, Anti-SO. Ich meine damit nur das klassische Agentur-SEO mit geplantem Linkaufbau. Das mag ich für mich nicht und das werde ich nicht nutzen. Aber zurück zum Thema: Warum für mich SEO irgendwie auch was mit Wahrsagerei zu tun hat.

Ich hatte neulich ein Verständnisproblem zum Thema SEO und war der Meinung, dass meine Artikel zu langsam in den Google-Index kämen. Erst nach 7 Tagen erschienen von mir geschriebene und im Webdesignblog veröffentlichte Artikel in den Suchergebnissen. Das ist inakzeptabel, ich denke, dass eine Stunde die übliche Zeit ist.) Daher habe ich drei SEOs gefragt, woran das liegen würde. Die Antworten waren:

  • Dein Server und deine Pagespeed sind grottig, wechsle den Hoster und baue die Seite um.
  • Auf deine Seite werden toxische Links gesetzt. Die musst du erst entfernen.
    • Du hast keine Social Signals aus Facebook und Co. Wenn du dir dort was aufbaust, dann kommen die Artikel viel schneller in den Index.

    Danke liebe SEOs! Ich weiss jetzt genau was ich tun muss. Wahrsager auf Jahrmärkten haben einen schlechten Ruf, sagt man. SEOs sind hochspezialisierte Techniker mit fetten Gehältern. Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen beiden Berufsgruppen?

    Und, was vergessen? Ach ja, die Keywordrecherche:
    Jep, ich wollte noch darauf zu sprechen kommen, warum ich eigentlich auch keine Keywordrecherche machen möchte. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hat meine eigene Erfahrung mit dem Google-Keywordplaner gezeigt, dass die Ergebnisse immer ziemlich anders waren als dort angegeben. Entweder Google liefert Fantasiezahlen aus, oder ich bin zu doof um das Tool zu bedienen. Zudem erscheint es mir irgendwie seltsam über den besagten Exeltabellen zu brüten und die Keywordlisten nach Zahl der Suchvorgänge und Zahl der konkurrierenden Seiten bzw. anderen Faktoren abzugleichen. Ich fühle mich unwohl dabei, ich bin ein kreativer Mensch. Also probiere ich es mal mit Keywords “aus dem Bauch”.

    Dummie-SEO als Ausweg?

    OK. Das waren jetzt mal ein paar Beispiele wieso SEO in meinen Augen für “biedere Webseitenbetreiber wie mich eher kompliziert ist. Ohne großem Budget für Linkeinkauf und einer größeren Menge von technischen Experten kommt man nicht weit. Aber dieses Budget habe ich nicht. Ich probiere es daher jetzt mal anders: Mit meiner Version von Dummie-SEO. Mal sehen wie weit ich komme.

    In meinem Blog werde ich regelmäßig über die Ergebnisse berichten und nach sechs Monaten wird es ein Resümee geben. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt!

    * Die spammy SEO-Blogkommentare erhalte ich ja relativ häufig: Nein, nicht die zu www.viagra.xyz, sondern die von deutschprachigen SEO: “Toller Artikel, weiter so” Mit Link drinne, selbstverständlich. ;)

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