CO2-arme Webseiten – klimaneutrales Webdesign

klimaneutrales Webdesign

Als ich neulich einen Artikel über C02-arme Webseiten bzw. klimaneutrales Webdesign gelesen habe, habe ich mich ganz schön gewundert. Wieso sollten denn Webseiten CO2-arm gemacht werden? Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer ist es mir geworden. Inzwischen wundere ich mich eher, warum das Thema eigentlich kaum aufgegriffen wird. Denn die CO2-Emissionen des Webs sind nicht gering. Nach Angaben des “Guardians” beträgt der Anteil des Webs am weltweiten Energiebedarf derzeit ca. 2%, er ist also mit dem globalem Energieverbrauch aller Flüge vergleichbar. Und im Unterschied zu anderen Industriesparten steigen die Emissionen des Webs exponentiell. Dieser Artikel gibt einen ersten Überblick über das Thema.

Bevor wir uns aber im Detail mit dem Thema beschäftigen, hier der Link für all diejenigen, die sich nicht für die Theorie interessieren, sondern gleich wissen wollen, wie man CO2-arme Webseiten macht.

Zunächst mal die Fakten zum Thema Internet und Energieverbrauch

Das Internet ist – wenn man so will – die größte Maschine der Welt und wächst ständig. Wie alle Maschinen benötigt auch das Web Energie um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Webseiten und Emails werden ja nicht “einfach so” vom Server geholt, sondern es wird ein wenig Energie benötigt um den gewünschten Effekt zu erzielen. Um ein einzelnes Mail zu verschicken ist der Energieaufwand zwar sehr gering, da aber täglich Milliarden und Abermilliarden von Mails verschickt werden, multipliziert sich der geringe Aufwand mit der großen Zahl. Gleiches gilt für Webseiten: Eine Webseite im Browser aufzurufen kostet kaum Energie, da aber laufend Webseiten aufgerufen werden und nahezu jeder das Web nutzt, multipliziert sich auch hier ein geringer Aufwand pro Einzelaktion mit einer unvorstellbar hohen Zahl an Aktionen.

Nach Angaben des Guardians beträgt der Anteil des Webs am weltweiten Energiebedarf derzeit 2%, er ist also mit dem globalem Energieverbrauch aller Flüge vergleichbar.

Zusätzlich benötigt das Web und die gesamte Techindustrie natürlich eine Vielzahl von Rohstoffen und Energie um die Hardware erst mal zu produzieren. Aber das ist jetzt nicht Thema des Artikels. In diesem Beitrag kümmere ich mich ausschließlich um das Thema Energieverbrauch von Webseiten und wie man ihn reduzieren kann.

Welche Faktoren tragen zu den CO2-Emissionen des Internets bei?

Entschiedend ist natürlich zunächst mal, wie der Strohm des Servers bzw. Hosters produziert wird und wie der Strom des Computers, der die Webseite abruft, produziert wird. Wird dieser Strohm mit Hilfe von Wasserkraft oder Solarenergie hergestellt, ist er klimaneutral, kommt er aus einem Kohlekraftwerk, dann natürlich nicht. Welchen Strohm Sie zu Hause oder im Büro konsumieren, können Sie ja realtiv leicht prüfen und eventuell auch ändern. Beim Hoster können Sie auf dessen Webseite gehen und nachsehen, was er zum Thema “Klimaneutrales Hosting” sagt. Wenn er Ökostrohm nutzt, wird er dies wahrscheinlich auch nach aussen kommunizieren. Auf der Seite der Greenwebfoundation finden Sie auch einen Überblick über alle umweltfreundlichen Hoster. Diese Seite hier wird zum Beispiel bei Domainfactory gehostet und Domainfactory nutzt Strohm aus erneuerbaren Energien.

Unabhängig vom Hosting ist es aber auch so, dass Webseiten unterschiedlich viel Strohm verbrauchen und dies ist auch das Kernthema des Artikels: Wie viel Strohm benötigt der Aufruf einer einzelnen Webseite und wie kann man ihn reduzieren?

CO2 Produktion Raphael Bolius

CO2-Produktion Google News

Beginnen wir dieses Thema mit einer Erfahrung, die sicherlich schon viele Menschen gemacht haben: Sie gehen zu Youtube und sehen sich ein Video an. Oder sie spielen ein Spiel im Web, das viel Rechenkapazität benötigt. Nach einger Zeit beginnt der Ventilator in Ihrem Rechner zu arbeiten. Dies ist ein Signal, dass Ihr Rechner ordentlich Energie verbraucht, denn die Festplatte muss gekühlt werden. Die sehen also ganz leicht, dass es Webseiten gibt, die mehr Energie benötigen als andere.

Wenn man sich jetzt ansieht, welche Webseiten mehr Energie benötigen und warum das so ist, dann ist ganz auffällig, dass Webseiten, die große Datenmangen verarbeiten und großen Kommunikationsbedarf zwischen Rechner und Server haben, auch am meisten Energie benötigen. Im Umkehrschluss ist es aber dann natürlich so, dass Webseiten mit wenig Daten und geringer Kommunikation mit dem Server weniger Energie benötigen. Das Design und die Funktionalität sind also entscheidend für den Stromverbrauch einer Webseite. Mit dem richtigen Design kann man also den Stromverbrauch drastisch senken.

Webseiten, die man sich ohne Kentnissen über Webdesign schnell selbst zusammenklicken kann, haben also einen entscheidenden Nachteil: Der Code, der notwendig ist, um dies zu gewährleisten, ist sehr komplex und kostet bei jedem Seitenaufruf extrem viel Energie.

Zusätzlich ist natürlich auch die Zahl der Aufrufe wesentlich. Da ja die Energie bei jedem Seitenaufruf zu Buche schlägt, wird eine Webseite, die täglich ein Mal betrachtet wird, wahrscheinlich weniger Energie benötigen als eine Webseite, die täglich millionenfach genutzt wird.

Sehen wir uns das im Detail an, die Webseite Websitecarbon hat ein einfaches Tool, das die Emisssionen einer Webseite misst. Wenn ich z. B. die URL meines letzten Artikels über die neue Webseite eines Berliner Bioladens eingebe, komme ich auf einen Wert von 0,55g CO2 pro Seitenaufruf (und meine Seite liegt bei einem “grünen Hoster”), ein Aufruf von Google News erzeugt dagegen 6,07g CO2. Meine Seite ist somit deutlich umweltfreundlicher als Google-News. ;)

Warum meine Webseite wesentlich weniger Energie benötigt als Google-News ist realtiv einfach erklärt: Meine Webseite ist manuell gecodet und holt sich alle Informationen nach Möglichkeit vom eigenen Server. Beim Design der Webseite habe ich großen Wert auf einfachen Code gelegt. Ruft man dagegen Google News auf, dann passiert im Hintergrund folgendes: Google News analysiert zunächst mal, welche Arten von Beiträgen dem Betrachter überhaupt angezeigt werden sollen. Bei Google News besteht ja die Möglichkeit die Ergebnisse der Anzeige individualisiert ausgeben zu lassen, dasmit das passieren kann, muss Google aber zunächst mal eine Menge Daten verarbeiten. Ist dieser Prozess erst ein Mal abgeschlossen, stellt Google News im nächsten Schritt Verbindungen zu allen anderen Webseiten her, von denen Beiträge eingeblendet werden und holt sich die entsprechenden Informationen von anderen Servern. Bis die Seite also aufgebaut wird, passiert im Hintergrund ziemlich viel (unsichtbare) Rechenleistung und das Ergebnis schlägt sich dann eben im Stromverbrauch nieder.

Und wie macht man jetzt CO2 arme Webseiten?

Kurz gesagt: Je einfacher ein Design ist, desto schneller lädt die Seite und desto weniger Energie benötigt sie um im Browser dargestellt zu werden. Hat man die wesentlichen Bausteine der Seite (Schriften, Grafiken etc.) am eigenen Server, optimiert die Bilder und nutzt schlanken Code, dann wird die Seite auch schnell aufgebaut und benötigt wenig Energie um sie darzustellen. Nutzt man dagegen aufgeblähten Code und muss Informationen von vielen verschiedenen Servern holen, dann kostet es mehr Energie. Ein typisches Beispiel für Designs mit aufgeblähtem Code sind Webseiten, die mit Premiumthemes oder Baukästen gemacht wurden. Der Vorteil, dass man sich die Seite ohne Kentnissen über Webdesign schnell selbst zusammenklicken kann, hat also einen entscheidenden Nachteil: Der Code, der notwendig ist, um dies zu gewährleisten, ist sehr komplex und kostet bei jedem Seitenaufruf Energie.

Im nächsten Beitrag werde ich detailliert darauf eingehen, wie man eine ressourcenschonenede Webseite baut.

Und hier noch der Link zum (englischsprachigen) Artikel, der mich auf das Thema CO2 im Webdesign gebracht hat.

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