Webdesign mit Katzen

Webdesign mit Katzen

Irgendein schwieriges Designproblem wartet auf mich. So ein extra fettes Stück Code, das meine ganze Aufmerksamkeit benötigt. Volle Konzentration ist also angesagt. Ich bin schon gespannt, ob ich es hinkriege. Erfahrungsgemäß kriege ich es hin. Ehrlich gesagt, kriege ich es immer hin. Aber der Weg ist oft das Ziel, und Umwege sind beim Entwerfen häufig notwendig. Na ja… volle Konzentration eben. Konzentration? Konzentration ist im Moment ein schwieriges Thema. Vor dem Fenster miaut eine Katze.

„Lass sie miauen“, sagt der Webdesigner in mir. Und der Webdesigner legt gleich noch nach: „Du bist ein Profi. Du kannst dich nicht von jeder Kleinigkeit aus dem Konzept bringen lassen.“

„Die Katze hat ein Problem, hilf ihr“ , sagt Raphael. Raphael ist sehr sensibel. Er kann es nicht leiden, wenn ein Tier leidet. Schon gar nicht vor seiner Haustüre. Raphael steht auf und öffnet die Türe. Die Katze kommt rein.

Aha, es ist Naõsinha. Naõsinha hat ein Problem, sie ist depressiv. Wahrscheinlich hat sie ihr ehemaliger Besitzer vor die Türe gesetzt. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie jedes Mal ein Drama daraus macht, wenn wir für drei Tage verreisen und das Futter vom Nachbar kommt. Und wenn eine neue Katze ins Haus kommt, ist Naõsinha meistens für eine Woche auf Tauchstation. Einfach weg… Ich muss Naõsinha also reinlassen. Kranke haben besondere Rechte.

Naõsinha schnurrt. Sie ist glücklich. Sie ist die einzige Katze, die in den Arbeitsraum darf. Sogar auf der Webseite ist sie abgebildet. Auf der Startseite, ganz unten. Sie ist die Katze gleich neben dem Keyboard.

Stolz springt Naõsinha auf den Schreibtisch mit den Unterlagen für die Webseite. Gerade kann ich sie noch von der Tastatur wegzerren, über die sie gerne laufen würde. Vielleicht benötigt sie eine Fussohlenmassage für die Pfötchen? Wer weiss… Auch wenn man damit tippen kann: Das Keyboard wurde für die Fußmassage von Katzen erfunden. Soviel steht fest. Diese vielen Tasten können nur diese Funktion haben. Tippen kann man damit vielleicht auch. Aber das ist nicht wichtig.

Aber egal. Lassen wir den Verwendungszweck der Tastatur ausser acht. Jetzt ist Naõsinha ja wieder am Boden, mein Code ist gerettet. Naõsinha sucht jetzt Futter. Fressen ist nämlich eine gute Therapie gegen Depression. Naõsinha hat immer Hunger. Also OK. Ausnahmsweise. A-u-s-n-a-h-m-s-w-e-i-s-e kriegt Naõsinha was zu fressen und es ist Ruhe. Ich kann mich meinem verzwickten Stück Code widmen.

Code? Na ja. Eine Pfote kratzt an der Türe. Die Katze, die zu der Pfote gehört, miaut. Offensichtlich hat sie gehört, dass Naõsinha Futter gekriegt hat. Dabei war ich ganz leise!

Ich sehe nach, welche Katze an der Türe kratzt. Aha, es ist Pinga. Pinga ist gerade mal drei oder vier Monate alt. Wie alt, weiss ich nicht genau. Sie war jedenfalls sehr klein, als wir sie von der Straße aufgelesen haben. Pinga ist eine Ausnahme. Weil sie so klein ist, und noch wächst, darf sie immer fressen. Also kriegt auch Pinga Futter.

Oh, Pinga kriegt Futter. Das passt Naõsinha gar nicht. Dieses dreckige, kleine Fellknäul von der Straße wird besser behandelt als sie – Naõsinha – die bereits seit über einem Jahr mit uns lebt. (Dass auch Naõsinha von der Straße zu uns kam, erwähnen wir an dieser Stelle lieber nicht.) Naõsinha will Pingas Futter. Also muss sie in den Nebenraum. Das Futter für die Kleinen ist ein anderes als das für die Großen. Die großen Katzen sind sterilisiert, die kriegen was Anderes. Blöd ist nur, dass die kleinen Katzen immer nur das Futter der Großen wollen und die Großen wollen das Futter der Kleinen. Warum weiss ich nicht, ich esse kein Katzenfutter. Aber es scheint weniger um den Geschmack zu gehen, als um die Aufmerksamkeit.

OK, Naõsinha ist im Nebenraum, Pinga frisst und ich kann mich meinem Code widmen. Code? Das wäre schön. In der Küche gab es einen Riesenkrach, irgenwas ist jetzt in 1000 Scherben und zwei Katzen bringen sich gegenseitig um. Ich muss sofort nachsehen. Eventuell auch das Geschirr vor einem Totalschaden retten und vor allem die beiden streitenden Katzen trennen. Der Code kommt später dran.

In der Küche hat sich die Situation inzwischen beruhigt. Safira, die ganz neu ist, hatte einen Streit mit Caramel, die die Chefin im Haus ist. Caramel hat Safira – vollkommen zu Recht – angefaucht. Eine neue angekommene Katze kann den Raum nicht betreten, wenn sich in dem Raum eine der älteren Katzen befindet. Klar doch! Als das Fauchen nichts geholfen hat, hat Caramel Safira verfolgt und vertrieben. Sieg!!! Ja, Sieg. Sieg mit Kollateralschaden. Die Blumenvase liegt in Scherben, die Blumen sind am Boden verstreut, das Wasser ist überall. Also erst mal putzen.

Nachdem die Küche gereinigt ist, kann ich mich endlich mit meinem Code auseinander setzen. Endlich!!! Na ja… Als ich in die Küche rausgerannt bin, hatte ich in der Eile vergessen die Türe zum Arbeitsraum zu schließen. Pinga macht jetzt Gymnastik am Keyboard. Mein Code war nicht gesichert. Jetzt ist er weg.

Ja, ja. So geht Webdesign mit Katzen…

Katze CaramelGegendarstellung von Fräulein Caramel
Die in diesem Blog kolportierte Geschichte „Webdesign mit Katzen“ ist unrichtig, ich verwehre mich gegen die verzerrte Darstellung. Der Mann, der das Futter bringt – wie heißt er doch gleich? Ach ja, der Bolius, der schreibt in seinem Blog vollkommen an der Realität vorbei. Wahr ist vielmehr, dass die Verteidigung der Wohnung gegen die eindringende Katze oberste Priorität hatte. Die Vase war ohnehin hässlich und extrem unnütz. Obendrein hatten die Blumen keinerlei Nutzen, haben nach nichts geschmeckt und die Vase war mit dieser scheusslichen Flüssigkeit -Wasser heisst sie wohl – gefüllt. Schaden ist also keiner entstanden.

Der Code war auch vollkommen unwichtig und der Bolius hat ohnehin keinerlei Ahnung von Webdesign. Wir Katzen sind seine Inspirationsquelle, ohne uns würde er keine Webseite je fertig kriegen.

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