Webdesign für Hochsensible und Introvertierte

Heute hatte ich meine erste Anfrage, die über eine Suchmaschine zustande kam, bei der jemand den Suchbegriff „Webdesign für Hochsensible“ eingab. Ein kurzer Check bei Google ergab, dass ich sowohl bei den Suchbegriffen „Webdesign für Hochsensible“ als auch bei „Webdesign für Introvertierte“ sehr gut platziert bin. Und auch bei der Suchmaschine, die ich persönlich bevorzuge, bei Duckduckgo, liege ich mit beiden Begriffen unter den ersten zehn Ergebnissen. Mein SEO-Konzept scheint also auf zu gehen. Grund genug mir über die beiden Keywords „Webdesign für Hochsensible“ und „Webdesign für Introvertierte“ Gedanken zu machen. Die Frage, die ich mir in diesem Blogbeitrag stelle, und auch beantworte, lautet: Wie soll „Webdesign für Hochsensible“ bzw. „Webdesign für Introvertierte“ eigentlich sein? Gibt es eine typische Webseite, die Intros besonders gut gefällt? Und eine andere, ebenfalls typische für HSP?

Um es kurz zu machen: Ich bin der Meinung, dass es weder „Webdesign für Hochsensible“ noch „Webdesign für Introvertierte“ wirklich gibt. Oder anders formuliert: Webdesign für diese Personengruppen, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an einigen Vorgaben für HSP bzw. Introvertierten orientieren, aber es wird nicht „ganz, ganz anders“ sein. Es wird wahrscheinlich weder schrille Farbkombinationen nutzen, noch wird es an allen Ecken und Enden blinkende „Calls to Action“ und unsinnige Animationen haben, sondern vielmehr schlicht und reduziert sein. Aber das alleine ist noch keine ausreichende Definition für „Webdesign für Hochsensible“. In meiner Hierachie an Werten ist das etwas, was ich als „anspruchsvoll“ oder „minimalistisch“ bezeichnen würde. Aber schlichtes Design, dezente Animationen und eine gute Benutzbarkeit interessieren auch Extrovertierte, wenn sie guten Geschmack haben. 😉

Ergebnis bei Duckduckgo für "Webdesign für Hochsensible"Google-Ergebnis: Webdesign für Introvertierte

Oder doch nicht? Ich bin jetzt selbst etwas unschlüssig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Gruppen der Introvertierten und Hochsensiblen wiederum in viele, viele Untergruppen eingeteilt werden können. Svenja Hofert schreibt in ihrem Blogbeitrag hier recht interessant über eine mögliche dreifache Untergliederung bei der Gruppe der inrovertierten Menschen. Und auch bei den Hochsensiblen kann man wahrscheinlich Unterteilungen treffen. Dazu kommt, dass die Geschmäcker ohnehin immer individuell sind und was dem Einen gefällt, missfällt vielleicht dem Anderen. Schwache, pastellige Farben werden sicherlich von vielen Hochsensiblen gerne gesehen, aber vielleicht nicht von allen. Sehr reduziertes Design, vielleicht im Stil von Zenkunst (Zen-Tuschemalereien, Zen-Gärten…) stelle ich mir auch als eine attraktive Alternative vor. Und in der Kunstgeschichte waren die Impressionisten sicherlich nicht die einzigen sensiblen Künstler. Die Maler des deutschen Expressionismus‘ oder der Surrealist Miró nutzten intensive Farben, waren aber mit Sicherheit auch sehr sensibel.

Außerdem: Webdesign ist mehr als Farben und Formen. Beim Design einer guten Webseite geht es auch um Kommunikation mit den Kunden, es geht darum zu „erspüren“ was Kunden wohl gerne hätten, es aber selbst nicht so gut ausdrücken können. Das Design ist ein Teil der Arbeit. OK, ein wichtiger Teil. Aber er ist nicht alles. Wie könnte ein anderer Teil von „Webdesign für Hochsensible“ oder Webdesign für Introvertierte“ also aussehen?

Ich bin der Meinung, dass für introvertierte Menschen ebenso wie hochsensible Personen eine andere Sache, neben dem Design mindestens genauso wichtig ist: Es ist der Umgang mit den besonderen Qualitäten dieser Personengruppen. Ich bemühe mich daher um eine besonders angenehme Kommunikation mit beiden Personenkreisen, die ich hier in einigen Stichworten zusammenfasse. Nein, das stimmt so nicht ganz, deshalb habe ich es auch durchgestrichen: Ich bemühe mich prinzipiell immer um angenehme, klare und transparente Kommunikation. Nicht nur mit HSP und Introvertierten, sondern eingentlich immer. Aber gerade im Web, wenn ich der Auftragnehmer bin, ist das besonders wichtig, denn hier habe ich einen enormen Wissensvorteil, den ich natürlich ausnutzen könnte. Und leider – so erfahre ich immer wieder – nutzen andere Desinger diesen Informationsvorsprung wirklich sehr oft aus. Ihre Kunden wissen das aber oft nicht, denn sie verstehen die Technik hinter den Webseiten nicht wirklich.

So sieht also meine Kommunikation normaler Weise aus. Mit Introvertierten ebenso wie mit Hochsensiblen Menschen bzw. mit allen Kunden:

  • Ich bin freundlich, klar und versuche nie irgendjemandem etwas auzuschwatzen“.
  • Ich nehme Rücksicht auf längere Entscheidungsprozesse und dränge meine Ansichten und Lösungsvorschläge nicht auf.
  • Ich erkläre im Detail, wie ich meine Entscheidungen – auf der Basis meiner jahrelangen Erfahrung als Webdesigner – begründe, akzeptiere aber jederzeit andere Ansichten meiner Kundinnen und Kunden.
  • Ich bin in allen Bereichen und bei allen Entscheidungen transparent und denke zuerst immer an das Interesse meiner Klienten. Natürlich habe auch ich ökonomische Interessen, anders wäre es ja seltsam. Aber ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass kurzfristige Vorteile, die ich durch irgendwelche Formen der Übervorteilung erreichen würde, höchstens kurzfristige Gewinne mit sich bringen würden. Mittel- und langfristig setzt sich Qualität und Serviceorientierung durch.
  • Ich schließe nie irgendwelche „Knebelverträge“ oder mache Kunden durch langfristige Abkommen oder die Nutzung exklusiver Technologien abhängig. Im Gegenteil: Ich erstelle eine Webseite und das war es dann für mich. Jede Kundin und jeder Kunde, die wiederkommen, freuen mich und sind für mich eine Bestätigung meiner Arbeit. Aber wenn Kunden später lieber mit anderen Designern weiterarbeiten wollen, dann ist mir das recht. Die Kollegen nach mir, werden mit absoluter Sicherheit nur allgemein akzeptierte Industriestandards vorfinden und können nahtlos und reibungsfrei an die von mir begonnenen Arbeiten anschließen.

Also eigentlich Kommunikation, wie sie im Idealfall sein sollte. 😉 Vielleicht beachte ich diese Regeln aber nur deshalb ganz besonders, weil ich selbst HSP und introvertiert bin. Und weil ich oft genug darunter gelitten habe, dass andere es nicht getan haben. Dieses unschöne Erlebnis will ich Menschen, die mit mir arbeiten, einfach nicht antun.

Fazit: Wenn ich mir meinen eigenen Artikel nochmals durchlese, sehe ich, dass ich weder beim Design, noch bei der Kommunikation „eigentlich“ ganz besonders auf die Themen Introversion und/ oder Hochsensibilität eingehe. Zumindest nicht in dem Sinne, dass ich zwei Designarten („normal“ und „HSP“) hätte. Ich habe auch nicht zwei Arten mit Kunden zu sprechen. Ich meine schlicht und einfach, dass Design dezent und funktionell sein soll und dass die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer transparent und fair sein soll. 😉 Ist beides gegeben, dann ist das Produkt sicherlich für Introvertierte und Hochsensible interessant.

Sind Intros und HSP vielleicht einfach nur die „besseren Menschen“, weil sie diese Selbstverständlichkeiten praktizieren und wüschen, dass ihr Gegenüber das auch tut? Ich weiß nicht. Vielleicht gibt es ja doch ein Webdesign für Hochsenbsible und ein Webdesign für Introvertierte und ich kann es nicht in Worte fassen. 😉 In dem Fall heißt es eindeutig: „Kommentare frei“. Bitte kommentiert, merkt an, meckert und/ oder lobt. Wie seht ihr das?

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