Marketing für Introvertierte und Hochsensible?

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Auch Webdesigner recherchieren im Web. Und zwar nicht immer nur über Webdesign. Und: Der folgende Beitrag über Marketing für Introvertierte hat eine längere Vorgeschichte und einen Abspann. Zunächst erkläre ich aber das Wesentlichste in Kurzform:

Wie der Titel bereits verrät, geht es diesmal nicht um Webdesign, sondern um Marketing für Introvertierte und Hochsensible. Dazu habe ich nämlich im Netz ein wenig recherchiert und dabei Erstaunliches gefunden. Leider aber nicht immer nur Positives.

Die Vorgeschichte

Ich bin Introvertiert und Hochsensibel. Diese beiden Eigenschaften werden oft mit Schüchternheit verwechselt, sind aber ganz etwas Anderes. Obwohl Hochsensible oder Introvertierte auch schüchtern sein können, müssen sie es nicht sein. Ich bin nicht schüchtern, aber trotzdem eben hochsensibel und introvertiert und habe somit ein paar Eigenschaften, die mich vom „Mainstream“ der Menschheit unterscheiden:

Zum Beispiel mag ich große Menschenansammlungen, Smalltalk, Coctailparties und sinnloses Blabla gar nicht. Absolut gar nicht! Das ist der introvertierte Teil in mir. Und ich nehme viel mehr wahr als der Durchschnitt. Ich muss also die Flut an Reizen, die von aussen kommen, kontrollieren. Das ist der hochsensible Anteil in mir. Und: Ich kann Lügen und Halbwahrheiten nicht leiden. Artikulieren kann ich mich problemlos, ich diskutiere leidenschaftlich gerne, ich kann mit jedem reden, wenn es sein muss. Wenn ich mit jemandem reden MUSS, dann muss ich das aktiv anstreben. „Von alleine“ – so wie bei extrovertierten Personen geht das nun mal nicht und es kostet mich ziemlich viel Energie, ich muss mich danach also wieder regenerieren. Und: Wenn ich schon spreche, dann bitte über echte Themen. Eben KEIN Partysmalltalk, denn ein Gespräch über das Wetter zehrt viel mehr an meinen Nerven als eine echte Unterhaltung über komplexe, politische Themen oder Kunst.

Introversion und Hochsensibilität sind in meinen Augen also keine gute Basis für Marketing. 😉 Leider…

Marketing für Introvertierte und Hochsensible
die eigentliche Geschichte.

Gut, kommen wir zur eigentlichen Story. Also, ich habe über Marketing für Introvertierte und Hochsensible recherchiert. Auch ich will ja neue Aufträge generieren und möchte – trotz der erwähnten Schwierigkeiten – Marketing betreiben. Was ich aber bei dieser Recherche gesehen bzw, gelesen habe, das war teilweise recht seltsam. Wenn ich den Ergebnissen meiner Suche glauben darf, dann scheinen Hochsensible und Introvertierte das neue Geschäftsmodell zu sein ;). Kein Introversions-Blogger, keine Introversions-Bloggerin, die nicht davon schwärmen, wie toll es wäre, wenn man introvertiert ist. Unglaubliche Chancen würden sich ergeben, gerade im Internet, auf Facebook… Wir Intros wären ja extrem interessant, würden viel mehr nachdenken als die anderen, und natürlich nicht nur mehr, sondern auch viel tiefer denken. Ich glaube, einige Introvertierte wie z. B. Natalie Schnack haben mit dem Thema „Marketing für Introvertierte“ vor ein paar Jahren angefangen, und dann sind sehr viele Andere auf den Zug aufgesprungen.

Gründliches Arbeiten von Introvertierten: Revisionen für diesen Artikel

Gründliches Arbeiten von Introvertierten: Revisionen für diesen Artikel

Aber gehen wir mit unserer Recherche doch weiter: Nach dem was ich auf vielen Webseiten gesehen und gelesen habe, bietet die Introversion ja nicht nur Unmengen von Chancen, sondern für uns Intros ist ja der Erfolg geradezu vorprogrammiert. Larry Page, Mark Zuckerberg und Bill Gates wären ja schließlich auch introvertiert und megaerfolgreich, konnte ich an mehreren Stellen lesen. Was diese drei können, das können wir anderen auch… Aber es kommt noch besser. „Ihre angeborene Nachdenklichkeit kann Sie zu einem Rockstar-Marketer machen.“ Das steht tatsächlich auf einer der Seiten, die sich mit dem Thema beschäftigen. 😉 Ich als Rockstar? Hm… Genauso introvertiert wie Marilyn Manson oder Mick Jagger?

Puh! Um die Wahrheit zu sagen: Ich bin introvertiert und hochsensibel und Marketing fällt mir SEHR schwer. Sehr, sehr schwer. Ich kann kaum einen der Vorteile entdecken, die auf den meisten Webseiten angepriesen werden. Klar, wir Intros denken tiefer, wenn wir aber unsere tiefen Gedanken präsentieren wollen, war immer schon ein extrovertierter Schnell- und Flachdenker vor uns da. Denn bevor wir unsere tiefen Gedanken jemand anderem anvertrauen, überprüfen wir sie 99 Mal und bevor wir zum Telefon greifen, vergehen Monate. Im schnelllebigen Internet ist Introversion in meinen Augen nicht gerade ein Vorteil. Vielleicht ist das im Bereich der wissenschaftlichen Forschung anders.

Aber wie auch immer. Marketing für Introvertierte und Marketing für Hochsensible ist heute ein wichtiger Markt gworden, Daher gibt es neben den vielen Webseiten auch noch Bücher, Seminare, Facebookgruppen, Businesspläne und Strategien für den Elevator Pitch… Introvertiert zu sein ist offensichtlich echt doll!

Wirklich? Ich weiß nicht ob es so toll ist. Aber ich weiß wovon ich schreibe: Denn ich lebe täglich dieses introvertierte, hochsensibele Leben, mag es daher auch nicht, wenn man mir was verkaufen will und ich will selbst nicht verkaufen. Das Verkaufen an sich erscheint mir oszön. Wenn eine Idee gut ist – das ist meine Meinung – dann verkauft sie sich von selbst. Ich hasse es, über mich zu sprechen, ich kann Facebook, dieses Musterbeispiel an blinkender Oberflächlichkeit nicht leiden. Was soll ich dort? Meine Befindlichekeiten posten? Über das Wetter reden? Ich mache auch keinen Elevator-Pitch. Auch nicht nachdem ich ein Seminar für Introvertierte besucht habe, werde ich mich niemals in einem 30-Sekunden Zeitfenster vorstellen wollen. Ich will über ernsthafte Dinge sprechen, ich will mich weder verkaufen, noch mich anbiedern. Und ich benötige Zeit.

Abspann

OK. Schluss mit dem Nörgeln über das schwierige Marketing für Introvertierte. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie ich – ohne mich verkaufen zu wollen – an Neukunden herankommen soll. Derzeit werde ich weiterempfohlen, mein Kundenstamm wächst langasam und das funktioniert soweit ganz gut. Aber ich würde den Prozess gerne beschleunigen. Meine Introversion und meine Abneigung gegen klassische Formen der Akquise erscheinen mir trotzdem wie ein querliegender Balken im schnellen Strom der „üblichen“ Kommunikation. Ein Störfaktor sondergleichen.

Gibt es eine Lösung? Ich weiß es nicht. Ich bin lieber vorsichtig bei meiner Beurteilung der Situation. Aber ich habe eine Idee, die ich in der nächsten Zeit weiter verfolgen werde. Mein Blog hier erscheint mir – in Kombination mit Suchmaschinenoptimierung – eine passable Strategie zu sein. In der Vergangeneheit war der Blog eher eine Sammlung von Anleitungen, Ratschlägen und Tipps für meine Kunden. Anstatt fundamentale Dinge wie SSL-Verschlüsselung oder das Reinigen des Caches jedem Kunden neu zu erklären, habe ich Links zu den einzelnen Beiträgen verschickt. Jetzt werde ich mich mehr auf die Bereiche Introversion und Hochsensibilität im Web kümmern.

Ich mag das, wenn Kunden über Suchmaschinen zu mir kommen, oder weil sie meine Ideen im Blog spannend finden. Und: Noch ein Vorteil des Bloggens: Im Unterschied zu Facebook hat man WIRKLICH Platz einen Gedanken auszuformulieren… Also derzeit ist Bloggen für mich das Mittel der Wahl. Mal sehen, ob es wirklich funktioniert. Ich bin gespannt.

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2 Kommentare zu “Marketing für Introvertierte und Hochsensible?

  1. Ja, ich kann nur zustimmen. Introversion ist in dieser schnellen Welt leider eher ein Nachteil als ein Vorteil. Ich lerne damit umzugehen. aber leicht ist es trotzdem nicht. 🙁 Danke trotzdem für den Artikel, SEO ist vielleicht wirklich eine interessante Alternative.

  2. Liebe Andrea,
    ja du hast recht. 😉 In einer knallbunten Welt, die von Extrovertierten beherrscht wird, ist es nicht ganz leicht. Man findet aber zum Glück heute viele Ressourcen über das Thema und kann das eigene Leben entsprechend den eigenen Wünschen anpassen.

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