Erleuchtung
Baso Do-ichi war einer der größten Meister des Zen und seine Art Fragesteller zu behandeln war höchst außergewöhnlich. Als Suiryo ihn nach dem richtigen Weg zur Erleuchtung befragte, schlug er den Fragenden kurzerhand nieder. Rinzai dagegen war bekannt dafür, dass er laut „Katz!“ rief, wenn ihm eine Frage gestellt wurde und Toku-San, ein weiterer großer Meister, machte reichlich Gebrauch von seinem Stock, noch bevor die Frage überhaupt gestellt wurde. *
Als Rätselschwein Darko eines schönen Morgens fragte, wo sich denn der Kaffee befände, beschloss Darko seinen Freund zu erleuchten und antwortete kurzerhand mit „Katz!“. Rätselschwein verstand nicht richtig und Darko versuchte es noch ein Mal, indem er ihm die berühmte Zen-Silbe „Mu!“ entgegenschleuderte.
Rätselschwein, seit jeher den Dingen des Lebens gegenüber eher pragmatisch eingestellt, fragte Darko nochmals, diesmal aber eine Spur nuancierter: „Bist bled? Sog ma liaba wo der Kaffee is!“ (Bist du verrückt, sag mir lieber wo der Kaffee ist) was zur Folge hatte, dass Darko dem Freund einen kräftigen Stockhieb im Stile Baso Do-ichis versetzte. Als Rätselschwein konterte „Heast Oida, homs da ins Hirn g’schissn und net umgriat?“ (eine bildhafte Umschreibung der Tatsache, dass in Darkos Kopf etwas Seltsames passiert sein könnte: „He, Alter, hat man dir ins Hirn gegackt und nicht umgerührt?“) warf Darko den Zen-Stab resignierend ins Eck und beschloss doch noch ein wenig zu schlafen.
Verärgert grummelte er, dass er seinem Freund nie wieder – sicherlich nie wieder! – mit irgendetwas helfen werde und zog sich, auf das Äußerste verärgert, in sein Schlafzimmer zurück. Aber wie alle Zenmeister wissen, ist der Weg zur Erleuchtung hart und dornig.
* Nach Daisetz Teitaro Suzuki, Erich Fromm: „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse“

