Ansichten eines Tormanns – der 2. Ballesterer Text
Dienst ist Dienst und Herr Oliver hat nun mal einen Vertrag mit den Ballesterer-Jungs. Auch wenn er die Ösis wahrscheinlich nie verstehen wird, hält er sich an die Regeln. Eisern! Dass seine Kolumne – immerhin ist er der teuerste Tormann Deutschlands! – in der letzten Ausgabe neben die Kleinanzeigen gesteckt wurde macht die Sache zwar nicht leichter, aber egal. Irgendwie hat man den Eindruck, dass unsere südlichen Nachbarn uns nicht besonders mögen…
Diese Ösis haben eben seltsame Sitten: Zum Beispiel die Sache mit dem Schnee, die keiner richtig verstehen kann: Einerseits lieben sie nichts mehr als Schifahren, andererseits geraten sie in Panik, sobald sich die ersten Schneeflocken zeigen. Letzten Winter haben sie versucht den Schnee mit kleinen Steinchens zuzuschütten, damit man ihn nicht sieht! Sagt man dann, dass das nicht gelingen kann, ist man sofort der „blede Piefke, der’s zamhalten soll“. Später haben sie dann den ganzen Mist – Steinchens und Schnee zusammen – in die Donau gekippt. Auch komisch, bei uns wird der Schnee nie weggeworfen. Wahrscheinlich war er zum Schifahren nichts mehr nütze wegen der Steinchens. Falls hier jemand helfen könnte, bitte aufklärende Briefe an die Redaktion!
Ein ganz anderes Thema – und damit sind wir wieder beim Fußball – ist die Frage wie die Kollegen von der Verteidigung eigentlich so gut über den Rasen rutschen können. Versuchen Sie das mal im Park. Rasenrutschen ist gar nicht so leicht, aber die Jungs rutschen manchmal gewaltig. Erst als ich neulich ein Spiel im Fernsehen gesehen hat, ist mir der Knopf aufgegangen: Das liegt daran, dass die Kollegen im Angriff so viel Spucken! Das bereitet den Boden auf. Bei mir im Tor darf rutschen ja nicht vorkommen und deshalb hat es recht lange gedauert, bis ich das Prinzip verstanden habe. Das war nur durch das Fernsehen möglich.
Obwohl ich andererseits auch sagen muss, dass das Fernsehen – soviel man dort auch lernen kann – manchmal recht verwirrend ist. Beim richtigen Fußball ist es einfach: Bälle, die in meine Richtung kommen, werden gefangen. „Kahn, jetzt bist du dran“ heißt es dann. Beim Fernsehen ist es wesentlich schwieriger. Zuerst spielen die Jungs von links nach rechts, dann auf einmal andersrum. Wenn es aber ein Nachspiel gibt, ist es nochmals andersrum. Österreich gegen Wales war ja diesbezüglich ein Horror: Die einen rot und weiß, die anderen weiß und rot. Zusätzlich Seitenwechsel nach 45 Minuten! Ich habe mir aus diesem Anlass eine kleine Tabelle gemacht, aber die Kollegen sagen, dass das nicht richtig wäre für einen Topmann. Ist verdammt schwer es jemandem rechtzumachen heutzutage.

