Seit dem großartigen Erfolg des netten und unterhaltsamen Familienfilms “Der Mann mit dem Arsch im Gesicht” (DMMDAIG) hatte der Cyberkapitalist keinen wirklichen Triumpf mehr an den Kinokassen feiern können. Und selbst dieses denkwürdige Ereignis ist jetzt bereits mehrere Jahre her. Seither verzehrt sich Bolius – von einem inneren Zwang angetrieben – um an den einstigen Erfolg wieder anknüpfen zu können. Doch bis jetzt ist ihm nichts Vergleichbares mehr eingefallen.
“Ein Weihnachtsfilm… Ein netter, unterhaltsamer Weihnachtsfilm, so wie DMMDAIG seierzeit…” seufzt er betrübt. “Vielleicht DMMDAIG-2?”
Noch sind es 10 Tage bis Weihnachten. Also ausreichend Zeit um den einstigen Erfolg wiederholen zu können. Obschon… der Film ist noch nicht gedreht; Idee ist auch noch keine vorhanden. Aber hätte er erst mal die Idee, dann wäre alles Weitere ein Klacks! Irgendwas mit Schweinegrippe vielleicht… Fuzzilisa könnte das Grippevirus spielen. Und Darko gibt den Helden, der die Welt vor dem Virus rettet. Plötzlich wacht Bolius auf. Die Idee! Kommt die – seit Ewigkeiten erwartete – Idee? Hastig spinnt er den Faden weiter: Rätselschwein – Darkos bester Freund – er ist elendiglich am Virus zugrundegegangen! Ja, genau, das muss es wohl sein. Und damit die Weihnachtsstimmung aufkommt, ist Rätsi eben der Weihnachtsmann. Klar! Der Weihnachtmann im Totenbett. Von Grippeviren dahingerafft! Was für eine Metapher für den morschen, überreifen Kapitalismus, der doch so knapp vor dem Zusammenbruch steht.
Aber wie gehts weiter? Darko schwört Rache… Alles klar! Heureka!!! Im Kopf des Cyberkapitalisten beginnen sich feine, nahezu eingerostete Rädchen zu drehen… Der Held. Darko. Er stürmt das Hauptquartier der Vereinten Nationen. Blind vor Wut, voll der Rache! Am Sterbebett hat er dem Weihnachtsmann (Rätselschwein) versprochen ihn zu rächen. Er wird die UNO-Vollversammlung zur Geisel nehmen. Spitze! Die Idee, die lang ersehnte Idee ist hier!!! Der Cyberkapitalist jubelt.
Doch das ehedem so präzise Uhrwerk des genialen Autors ist eingerostet. Die Ideen fließen nicht mehr wie damals als er noch ein junger und unternehmungslustiger junger unternehmungslustiger Heissporn war…. Was passiert dann? Er grübelt.
Die Vollversammlung in Geiselhaft, von einer tötlichen Ladung Grippeviren in Schach gehalten. Und Fuzzilisa – sie soll ja eines der Viren spielen – hat ihren großen Auftritt. Was will sie uns sagen? Was wohl? Ein spannender Moment für die Welt… Von allen wichtigen Fernsehstationen live übertragen. Aber dem Cyberkapitalisten fällt nicht mehr ein. Lustlos sinkt er in sich zusammen. Die idee, die er für einen kurzen Moment in den Händen zu halten glaubte, entgleitet ihm wieder.
Eine einzige Möglichkeit gäbe es vielleicht noch um das Projekt doch noch zu retten. Er könnte Fuzzilisa, fragen, wie sie ihre Rolle anlegen würde. Was könnte das Virus im entscheidenden Moment der Weltöffentlichkeit mitteilen? Oder vielleicht hat das Virus eine Frage an die Welt? Ja vielleicht… Bolius fragt Fuzzilisa, ob sie eine Idee hätte, was sie – in der Rolle des Virus – die Welt wohl fragen könne. Aber Fuzzilisa enttäuscht ihn maßlos. Nach dem aktuellen Nagellackmuster aus Paris würde sie die Welt wohl fragen, meint sie. Und wie so ein Virus wohl die Fingernägel lackiert hätte, würde sie gerne wissen. Und ob die Farbe des Nagellacks an Händen und Füßen übereinstimmen soll. Denn immerhin wolle sie doch brillieren in der Rolle des Virus. Also wären solche Fragen wohl angemessen…
Bolius ist enttäuscht. Nein “enttäuscht” ist viel zu milde. Er ist entsetzt! Er resigniert! Er weint. Wer solche Stofftiere als Mieter hat, der braucht wahrlich keine Feinde mehr. Wieder verfällt er in seine wohlbekannte Lethargie.