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Das Memo

Montag, August 31st, 2009

Memo vom: 31.8.2009
Ergeht an: Alle Blogbwohnerinnen und Blogbewohner
Inhalt: Korrekte Umgangsformen im Ausland (Berlin und so)

Sehr geehrte Blogbwohnerinnen und Blogbewohner, liebe Mieter und Stofftiere!

Ich möchte aus gegebenem Anlass daran erinnern, dass wir alle – obschon bereits seit längerem in Berlin ansässig – nach wie vor Österreicher sind. Da sich in letzter Zeit ein etwas salopper Umgangston eingeschlichen hat („Tagchen Leute!“ etc.) möchte ich an die korrekten Umgangsformen erinnern. Diese gelten für Österreicher nicht nur „auch“ sondern „vor allem dann“, wenn sie quasi als Vorposten im hohen Norden die wertvolle Österreichische Kultur vertreten.

Die Umgangsformen und Sprachregeln zur Erinnerung:
„Tagchen Leute“ und so ähnliches Zeug ist gänzlich aus dem Repertoire zu streichen. Stattdessen heißt es:
„Meine Verehrung Herr Doktor“ (für Akademiker)
„Meine Verehrung Herr Magister“ (für alle anderen)
Bei Damen kann dies eventuell (!) durch „Küss’ die Hand gnä’ Frau“ ersetzt werden. Der Ersatz muss aber wohlüberlegt sein und darf keinesfalls blindlings und unmotiviert passieren.

Zum Verabschieden wählen wir immer (!) die nasal („Schönbrunnerdeutsch!) gesprochene Formel: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“ und erinnern dadurch an den seligen Kaiser Franz Joseph I. der ehedem diese Redewendung nach dem Freitod des Architekten Van der Nüll bekannt machte. www.planet-vienna.com/architekten/vandernuell

In der Küche:
Bohnen, Aprikosen und Johannisbeeren etc. haben in der Küche nichts verloren und werden ausnahmslos (!) durch Fisolen, Marillen und Ribisel ersetzt. Wenn unsere Piefkefreunde* dann so tun als verstünden sie nicht, lächeln wir leutselig, verdrehen die Augen (aber nur ein klein wenig!) gen Himmel und erklären den entsprechenden Begriff. (Ein blogeigenes Seminar zum richtigen Verdrehen der Augen kann auf Wunsch jederzeit stattfinden!)

*Interne Anmerkung: Die Piefkes mögen es aus irgendeinem Grund nicht, wenn wir sie Piefkes nennen. Also tun wir das nur, wenn gerade niemand zuhört. Alles klar?

Allgemeine Sprachregeln:
Das richtige Deutsch wird am Wiener Burgtheater gesprochen. (http://www.ostarrichi.org/wort-9763-atde-Burgtheaterdeutsch.html) Ausnahmslos!!! Begriffe wie „die Cola“ oder ähnliches sind ergo inakzeptabel. Detto „die Mail“ etc. Im Zweifelsfall bei allen Fragen zum Burgtheater bitte Brigitte Jelinek anrufen!

Argumentativer Notausstieg (Der Nobelpreisträger Trick)
Falls wir irgendwann argumentativ in die Enge getrieben werden, behaupten wir einfach dass Österreich im Vergleich zu Deutschland deutlich (!) mehr Nobelpreisträger pro Einwohner aufweist. Das Argument verunsichert jeden, die Überprüfung ist zu komplex um sie schnell durchzuführen. Wenn wir dem strauchelnden Gegner noch eins überziehen wollen, dann sagen wir nonchalant: „…und natürlich vor allem bei der Literatur.“ Gleichzeitig winken wir unauffällig mit einem Jelinek-Fähnchen. Wer den Nobelpreisträgertrick gut beherrscht, der dreht jedes (!) Gespräch jederzeit (!) zu seinen Gunsten.

Die Hymne:
Erklingt zufälliger Weise irgendwann die deutsche Hymne, stehen wir NICHT (!) auf und fassen uns NICHT (!) ans Herz oder sonstwohin. (Wir sind ja keine Amerikaner, sondern Österreichische Stofftiere in Berlin.) Vielmehr erwähnen wir quasi nebenbei, dass es wirklich seltsam ist, dass die da (mit die da sind die Deutschen gemeint) unsere (also die österreichische) alte Kaiserhymne zu ihrer Hymne gemacht haben. (de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Kaiserhymnen.) Danach singen wir (die Profis unter uns mit zittriger Stimme und einer Träne im linken Auge) die ersten Sätze der Kaiserhymne: Gott erhalte, Gott beschütze unsren lieben Kaiser Franz…

Ich hoffe, dass diese allgemeinen Sprachregeln und Umgangsformen für alle verständlich sind und verabschiede mich mit den allerbesten Grüßen für das kommende Wochenende usw. usf.

Grüß Gott!
Bolius
(Cyberkapitalist)

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