„Guten Tag, mein Name ist Darko.“ Ein mittelmäßig gelaunter Wunderbär betritt die Filiale der Superbank. „Ich muss Sie dringend wegen meines Kontos sprechen.“
Der Bankangestellte bittet ihn in die Beratungszone, legt sich die Unterlagen zurecht und kommt dann zu ihm.
„Sehr gut Herr Darko“, lächelt er voll Pflichtbewusstsein in Richtung des Wunderbären, der inzwischen auf der mehr oder weniger eleganten Ledergarnitur des Bankhauses Platz genommen hat. „Wir wollten Sie ohnehin bereits kontaktieren.“ Während er in seinen Unterlagen kramt, übersieht er geflissentlich–er ist ja durch und durch Profibanker – dass sein Kunde abwechselnd die Lehne der Ledergarnitur als Schaukel benutzt, den Sitz dagegen für Kopfstandübungen. Mit betont professioneller Freundlichkeit wendet er sich seinem Gegenüber zu:
„Sehr schön Herr Darko, dass Sie gekommen sind! Wie ich bereits erwähnte: Wir wollten sie ohnehin schon kontaktieren.!
„Gerne geschehen! Ich habe nämlich eine Frage betreffend meines Kontos,“ antwortet Darko, der inzwischen am Luster der Bankfiliale herumturnt. „Nettes Equipment übrigens“ lässt er nonchalant von oben hören.
Nachdem der Wunderbär auf dringendes Zureden seines Gegenübers – der Angestellte ist hinter seiner professionellen Maske bereits ziemlich nervös – wieder auf das Sofa zurückgekehrt ist, beugt er sich in Richtung seines Kunden und sagt mit scheinbar bekümmerter Miene: „Es tut mir entsetzlich leid mein Herr, aber ihr Kontostand beträgt momentan –350.671,71 Euros. Wir mussten das Konto momentan sperren.“
Darko, der jetzt am Ledersofa sitzt und mit seinen Zehen herumspielt meint sarkastisch: „Klar habe ich gemerkt, dass das Konto gesperrt ist. Also tun sie wieder was drauf, mein Scheck auf die Korsettinsel ist schließlich geplatzt!“
Ja, ja, ich sehe. Der Angestellte vergräbt sich zwischen seinen Papieren. „Und nicht nur der Scheck an die Korsettinsel, gleichfalls leider auch die Schecks an die fröhlichen Fußfetischisten, die Tittigirls und die Pornothek „Orgasmusland“. „Herr Darko!“ setzt er mit trauriger Stimme fort. „Sie haben seit vorgestern Nachmittag, als sie das Konto eröffnet haben, 350.671,71 Euros an Dritte überwiesen, aber lediglich einen Eingang in der Höhe von 10 Cent vorzuweisen. Zahlungen für Schuhe aus goldenem Heuschreckenleder, einer Rechnung für Elefantencamembert und einem Schreibtisch aus Mammutelfenbein stehen die 10 Cent der Überweisung eines gewissen Herren Nieselprims gegenüber. Das müssen sie mir bitte erklären.“
„Was heißt hier erklären?“ Darko pariert die Vorwürfe des Angestellten gekonnt: „Tun sie einfach was drauf und es geht wieder.“ ist seine lakonische Antwort.
In weiterer Folge entspinnt sich eine rege Konversation:
- „Was soll ich denn drauftun?“
- „Nicht sie persönlich! Die Bank soll was drauftun!“
- „Ich verstehe trotzdem nicht. Was soll denn die Bank drauftun? „
- Na Geld natürlich! Machen Sie Geld auf mein Konto drauf! Sie werden doch wohl etwas Geld haben; oder? Falls sie allerdings pleite sind, müsste ich mein Konto natürlich sofort auflösen!“
Der Angestellte schluckt schwer, so etwas hat er noch nie gehört. „Ich fürchte, da muss ich meinen Abteilungsleiter holen.“ zischt er nahezu unhörbar und verschwindet mit rotem Kopf in Richtung Schalterraum.
Ende von Teil 1
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